Historie

Die Kirche wurde 1968/69 erbaut und trat an die Stelle einer kleinen, im neugotischen Stil der Jahrhundertwende (Weihe 1906) erbauten Kirche. Das kleine „Kirchlein am Lindenberg", damals weit außerhalb des Stadtkerns gelegen, genügte den ehemals bescheidenen Ansprüchen der kleinen Diasporagemeinde, die bis in die Zeit des 2. Weltkrieges nur etwa 200 Gemeindemitglieder im weiten Fuldatal umfasste.

Die Nachkriegsjahre, besonders die Vertreibung der Menschen aus der sudetendeutschen Heimat, machten aus der ursprünglichen Pfarrkuratie, die zu Rotenburg gehörte, eine Pfarrei mit 3000 Gemeindemitgliedern, zerstreut auf 19 Dörfer. Heute sind es die Großgemeinden Melsungen, Guxhagen, Körle, Malsfeld.

Diese Entwicklung gebot dringend die Erweiterung der kirchlichen Gebäude, insbesondere des Gotteshauses. So plante man mit dem ausdrücklichen Auftrag des Bischofs von Fulda einen Neubau mit Gemeindezentrum. Die nachkonziliare Auffassung von Gemeinde, Gottesdienst und Kirchenraum beeinflußte das moderne Gebäude.

 

Architekt Erich Weber aus Fulda machte den Entwurf für ein Gemeindezentrum mit Kirche, Gemeinderäumen und Pfarrhaus. Die kleine Kirche und das alte Pfarrhaus wurden abgebrochen und an der gleichen Stelle wuchs die neue Kirche empor.

In ihrer wuchtigen, eckigen Gestalt am Hang des Lindenberges überragt sie die Stadt Melsungen. Das Äußere wirkt durch die Natursteinverkleidung mit Londorfer Basaltplatten eher nüchtern und sachlich. Im Inneren eröffnet sich dem Besucher jedoch ein Raum von einfacher Schlichtheit und würdiger Sakralität. Der fast quadratische Raum umfängt den Besucher und lädt zum Beten ein, versammelt aber zugleich die Gemeinde konzentrisch um den Altar zur Feier der Eucharistie. Die Gestaltung des Altarraumes lag in den Händen von Bildhauer Heinrich Söller aus Schweinfurt. Er schuf auch das Kreuz an der hohen Altarwand, ein Bronzeguß, in dem zwei Kreuzformen aufeinander gelegt sind: Aus dem mittleren Stamm wächst die Gestalt des Gekreuzigten heraus, leidend für uns Menschen, dennoch triumphierend und siegreich zugleich der Erlöser der Weit, angedeutet in der runden Öffnung der zweiten Kreuzform. Altar, Tabernakel, Ambo und Taufstein sind aus Anröchter Stein gehauen. Die Madonna an der rechten Säule ist eine naturgetreue Nachbildung einer gotischen Statue. Maria, dargestellt als Königin des Himmels und Mutter zugleich.

Die künstlerische Gestaltung der Fenster, eine Betonverglasung, stammt von Professor Rudolf Haegele aus Hochberg. Die Firma Derix in Rottweil übernahm die Ausführung. Die sechs mal acht Meter großen Fenster links und rechts vom Altarraum sind - wie der Künstler sie nennt: „transparente Wände", „Abschluß und Öffnung" zugleich. Das dunkle Blau lichtet sich von der Seite her bis die frohen Farben Rot und Gelb den Altarraum umfangen. Eine wunderschöne Transparenz bekommen die Fenster am Abend, wenn die Sonne im Westen steht und die ganze Farbenpracht zur Geltung kommen lässt.

Licht bekommt die Kirche von den beiden hellen Seitenfenstern und von einem Fensterband im hochgezogenen Bauteil des Altarraumes. Dadurch erhält auch das Kreuz Licht und wird immer zum Blickfang für den Besucher. An der rechten Wand sind die 12 Apostelleuchter angebracht und darunter die 12 Kreuze, an denen die Kirche bei ihrer Weihe am 14.12.1969 durch Bischof Dr. Adolf Bolte aus Fulda gesalbt wurde.

Eingefügt in die beiden Seiteneingänge sind auf jeder Seite ein Beichtstuhl. Die Orgel über der Empore wurde 1973 angeschafft. Disposition und Ausführung hatte die Firma E. F. Walker & Cie in Ludwigsburg. Es ist ein Schleifladen-Instrument mit mechanischer Spiel- und Registertraktur und umfasst auf zwei Manualen 14 Register.

 

Ein besonders künstlerisch wertvolles Werk hat der Bildhauer Heinrich Söller im Jahr 1981 für die Kirche noch mit dem Kreuzweg geschaffen. Auf sieben Tafeln hat er die 14 Stationen des Leidensweges unseres Herrn dargestellt und ihnen noch eine 15. Station hinzugefügt, die Auferstehung. Die Reliefs stellen wohl die einzelnen Begebenheiten dar, aber sie wollen ein Gesamtbild des Leidensweges Jesu wiedergeben. Die Formen zeigen die Landschaft, die Stadt mit der Burg, den holprigen Weg und die Felsen. Alles wird nur angedeutet, auch die Gestalten und ihre Gesichter sind nicht ausgeformt, lassen aber in dieser Ausdrucksform die ganze Dramatik erkennen. Bewegung und Dynamik sollen den Betrachter beeindrucken und ihn die einzelnen Phasen des bitteren Leidensweges Jesu von Erniedrigung bis zum sieghaften Sprengen des Grabes nachempfinden lassen. „Die Formen, die Bewegungen, die Lebendigkeit wollen aufrütteln und unruhig machen", sagt dazu der Künstler.

Besonders nachdenklich stimmen die drei Stationen, die das Niederfallen Jesu darstellen. Jeder Fall ist verursacht: Der erste durch die Erbsünde (Schlange am Baum des Paradieses), der zweite durch die rohe Gewalt (der Mensch mit der erhobenen Faust), der dritte durch die Habsucht und Genusssucht (das Goldene Kalb als Symbol des Materialismus).

An der wuchtigen Außenfassade zur Talseite hin deutet ein schlichtes Kreuz auf das Kirchengebäude. Für die Fassade zur Straße hin hat ebenfalls Heinrich Söller eine Madonna geschaffen, die Maria als in den Himmel Aufgenommene darstellt. In dieser emporstrebenden Haltung ist diese Plastik nicht nur Hinweis auf den Namen der Kirche „MARIA HIMMELFAHRT", sie ist auch Symbol für den Menschen, der im letzten „nach oben", zu Gott hin unterwegs ist. Diesem Menschen, der zur Kirche, dem „Volk Gottes unterwegs" gehört, will dieses Gotteshaus Heimat und Geborgenheit in seinem irdischen Leben geben.

Neben der Kirche steht ein Glockenträger, der im Jahre 1974 errichtet wurde. Im Glockenstuhl hängen vier Glocken, zwei davon hingen schon im Turm der alten Kirche und zwei weitere wurden 1974 und 1975 angeschafft. Die Hanglage des Geländes machte eine Aufstockung der Kirche von der Talseite erforderlich. So befinden sich unter der Kirche ein Gemeindesaal mit Nebenräumen für Gemeindeveranstaltungen.

Außerdem gibt es in Verbindung mit dem Pfarrhaus mehrere Jugendräume. Das Pfarrhaus schließt sich an die Kirche an, verbunden durch die Sakristei.

Zum Gemeindezentrum gehört noch ein Kindergarten und eine Sonderkindertagesstätte, 1974 erbaut, mit Gruppen- und Therapieräumen für die Betreuung von Behinderten. So ist dieses Kath. Gemeindezentrum in der Stadt Melsungen für die Katholiken der Diasporagemeinde Mittelpunkt ihres kirchlich-religiösen Lebens und eine Stätte der Begegnung. (E. Böhm)