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Fastenzeit 2021


Unterstützen

Ein Bauer kommt von einem nahegelegenen Feld. Er kreuzt zufällig ihren Weg. Simon von Cyrene. Es ist NICHT Simon, der Fels, auf den Jesus seine neue Gemeinschaft bauen möchte. Auf ihn kann er sich jetzt nicht verlassen. Der ist mit sich selbst beschäftigt. Er versucht, seine Haut zu retten.

Er leugnet, Jesus zu kennen, und bekräftigt mit Schwören und Fluchen, nichts mit ihm gemein zu haben. Der Simon, dem hier eine tragende Rolle zufällt, stammt aus dem heutigen Tripolis in Afrika. Ein Fremder, ein Wirtschaftsflüchtling, einer mit Migrationshintergrund. Einer, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat und auch nichts zu tun haben will. Simon ist müde von der Feldarbeit, er hat Hunger. Die Soldaten rufen ihn herbei. Er solle Jesus helfen. Das ist Simon gar nicht recht. Er hat etwas anderes vor. Er möchte heim zu seiner Frau und seinen Kindern,

die mit dem Essen auf ihn warten. Simon wehrt sich mit Händen und Füßen. Wer will schon gern in eine Leidensgeschichte hineingezogen werden - sei es nun die eines Fremden, eines Feindes oder eines Verwandten. Lieber pflegen wir unsere Phantasie, es gebe ein Leben ohne Leiden. Die Wirklichkeit der Welt indes ist eine andere.

Die Soldaten zwingen ihn. Widerwillig, und obwohl er sich diesen Tag anders vorgestellt hat, packt er zu. Er unterstützt Jesus. Nun tragen sie gemeinsam das schwere Holz.

Der Zug setzt sich wieder in Bewegung. Voran Jesus mit seinemunfreiwilligen Helfer. Ein wenig Unterstützung auf einem schweren Weg. Mehr kann Simon nicht tun, mehr kann er nicht geben. Es scheint wenig, aber es verändert alles. Auch wenn Simon nicht ganz freiwillig hilft - zusammen wird die Last erträglicher, zusammen geht es einfach leichter und zusammen kommt man weiter.


Text aus: „Durchkreuztes Leben“ von Claudia und Ulrich Peters

Dabeibleiben

Am Rande des grausamen Spektakels steht Maria, die Mutter Jesu. Sie, die ihn zur Welt brachte, laufen, sprechen, lieben und leben lehrte, muss mit ansehen, wie er nun brutal vernichtet wird.

Mit ansehen zu müssen, wie er schutzlos dem Schmerz ausgeliefert ist und sich mit letzter Kraft dahin-schleppt, unaufhaltsam einem schrecklichen Sterben entgegen; nicht helfen, nicht lindern können - Maria zerreißt es das Herz. Auch sie gerät jetzt an den Rand ihrer Kraft.

Muss es ein solches Ende nehmen, was einmal mit so viel Hoffnung begann? Ist das der Lauf des Lebens? Aber es lässt sich letztlich nicht leugnen, das musste auch sein bester Freund Petrus

schmerzlich erfahren. Auch die Augen zu verschließen, ändert nichts. Diese Stunden, so schrecklich und schwer sie sind, sie sind auch unwiederbringlich. Man möchte weglaufen, wie seine anderen Freunde weggelaufen sind. Aber Maria bleibt. Eltern sind Begleiter ins Leben und Begleiter fürs Leben. Maria bleibt das bis zum bitteren Ende.

Die beiden sehen sich an. Jesus aus blutunterlaufenen Augen mit verzerrten Zügen. Maria mit dem traurigen Blick derer, die dabeistehen, aber so gerne sie auch möchten - nicht wirklich zu helfen vermögen. Und doch ist da eine Kraft, die die Dinge unmerklich verändert. Ihre letzte Begegnung. Vielleicht eine Berührung. Ob sie miteinander sprechen, und was sie zueinander sagen? Es versinkt im Dunkel der Geschichte.

Aber Worte sind hier wohl nicht so wichtig, vielleicht nicht einmal wirksam. Jetzt ist dabei sein alles und Sympathie - ein uraltes griechisches Wort mit der Bedeutung mit-leiden.


Text aus: „Durchkreuztes Leben“ von Claudia und Ulrich Peters

Ertragen

Langsam, ganz langsam setzt sich der gespenstische Zug in Bewegung. Vorne Jesus - blutend, schwitzend, keuchend, tief gebückt von der Last des Kreuzes, schleppt er sich über den staubigen und steinigen Weg.

Dahinter und daneben die Soldaten und Schaulustige - Menschen,

denen es Spaß macht, dabei zuzusehen, wie Jesus gequält wird und

sich quält. Es ist heiß, unerträglich heiß. Aber es geht nicht schnell

genug. Die Soldaten treiben Jesus mit Stockschlägen an. Da passiert es.

Jesus stolpert über einen Stein. Er fängt sich wieder, aber dieser

Balken ist so schwer. Jesus kann nicht mehr. Er bricht zusammen.

Er stürzt in den Staub. Der Balken schlägt ihm ins Genick. Jesus ist am

Boden, Jesus liegt im Dreck. Der Staub vermischt sich mit dem Blut und

Schweiß in seinem Gesicht zu einer schmierigen Masse.

Die Soldaten brüllen ihn an. Einer tritt ihn sogar. Steh auf. Wir müssen

weiter, sonst kommst du noch zu deiner eigenen Hinrichtung zu spät.

Aber Jesus kann nicht mehr. Er schafft es nicht mehr aus eigener

Kraft. Die Last, die ihn niederdrückt, ist zu groß. Der schwere

Kreuzesbalken ist zu gewaltig für ihn allein.


Text aus: „Durchkr euztes Leben“ von Claudia und Ulrich Peters

Zupacken und kämpfen

Die Worte des Pilatus sind noch nicht verklungen. Schon packen die Soldaten Jesus und zerren ihn auf den Hof vor dem Gerichtsgebäude. Sie reißen ihm die Kleider vom Leib. Sie setzen ihm eine Krone auf den Kopf. Aber nicht die schöne goldene Krone eines Königs. Die Krone ist aus Dornen geflochten. Sie schlagen ihn. Sie peitschen ihn aus. Die Metallstücke am Ende der Geißel reißen Fetzen aus seinem Fleisch.

Dann legen sie ihm ein blutrotes Gewand über die Schultern. Sie machen sich über Jesus lustig. Vor wenigen Tagen noch bist du wie ein König in Jerusalem eingezogen. Jetzt siehst du, was für ein jämmerlicher König du bist. Du bist der letzte Dreck. Du bist der König der Verlierer. Für alle Menschen wolltest du da sein. Der ganzen Welt wolltest du helfen. Jetzt hilf dir selbst, du armseliger Spinner.

Mit diesen Worten wuchten sie ihm einen Balken entgegen. Der Balken ist schwer, unheimlich schwer - so schwer, als ob das ganze Gewicht der Welt darauf lasten würde. Aber Jesus greift zu. Er hat sich das alles nicht ausgesucht.

Aber es ist auch nicht wirklich überraschend, dass sich die Dinge nun so entwickeln. Zu radikal ist er für die Herrschaft der Liebe eingetreten, zu konsequent für das Königreich Gottes. Jetzt, wo er buchstäblich sein Leben durchkreuzt, packt er den mächtigen Holzbalken und nimmt ihn auf sich. Das Kreuz, an dem Jesus sterben soll - er trägt es selbst zum Hinrichtungsplatz.

Nachts kommen sie, im Dunkeln, mit Fackeln Laternen und Waffen - die Soldaten und die wichtigen Leute der Juden. Schon von Ferne hört man das regelmäßige Stampfen, das Gleichmaß ihrer Schritte, das Klirren der Schwerter und Lanzen. Sie nehmen Jesus fest, fesseln ihm die Hände und führen ihn vor Gericht. Man macht ihm den Prozess, sie machen kurzen Prozess mit ihm. Kaiphas, der Hohepriester, ist der Ankläger. Pontius Pilatus heißt der Richter. Der ist mächtig. Er entscheidet über Leben und Tod. Pontius Pilatus spricht lange mit Jesus. Was hat dieser Jesus denn Böses getan? Pilatus beschleicht ein ungutes Gefühl. So, als ob er benutzt würde, um für andere die Drecksarbeit zu erledigen. Er weiß nicht recht, was er mit diesem Jesus anfangen soll, diesem König der Wahrheit. Was ist schon Wahrheit? So sehr Pilatus auch sucht und fragt, er findet nicht, warum Jesus Schuld auf sich geladen haben soll. Aber Pontius Pilatus ist auch feige. Er hat Angst vor den Leuten, die draußen vor dem Gebäude zunehmend ungeduldiger auf das Ende der Gerichtsverhandlung warten. Mach ihn fertig, klingt es zu ihm hinein. Schlag ihn ans Kreuz, rufen sie. Schlag ihn ans Kreuz. Schlag ihn ans Kreuz. Die Leute, die Meute draußen ist aufgebracht und wütend. Pilatus bekommt es mit der Angst zu tun. Ich finde keine Schuld an ihm, sagt er mit leicht zitternder Stimme. Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn. Und dann taucht er seine Hände in eine Schüssel mit Wasser. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Ich will mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. 

Text aus „Durchkreuztes Leben“ von Claudia und Ulrich Peters


Angebote in der Fastenzeit

Liebe Gemeindemitglieder und interessierte Gäste unserer Homepage,

die Fastenzeit ist immer eine besondere Zeit für uns Christen. Es ist eine Zeit der Umkehr und Besinnung zur Vorbereitung auf das wichtigste Fest unseres Glaubens – Ostern. Wie schon im vergangenen Jahr wird das Fest wieder anders werden, als wir es gewohnt sind und es uns gewünscht hätten. Vielleicht ist aber genau das die Chance, auch den Weg zum Osterfest besonders und vor allem bewusster zu gestalten. So möchten wir Ihnen ein paar Angebote mit auf den Weg durch die Fastenzeit geben. Alle Angebote laden ein, sich ganz persönlich auf den Weg zu machen, zu zweit oder aber auch als Familie miteinander ins Gespräch zu kommen.

Bitte beachten Sie auch die Angebote und Impulse des Pastoralverbundes während der Fastenzeit. Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Zeit!

Ihre Gemeindereferentin Kerstin Erler



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